Mise-en-Scène

miseenscene

Mise-en-scène.

Wie jeder Ausstellungsort und die Zeit, in der ein Werk einerseits entsteht, als auch in welcher es präsentiert wird, ihre eigene Stimmung und Atmosphäre einbringen, so fügt auch jeder Betrachter eine zusätzliche, zum Teil stark changierende, Stimmung dieser Komplexität hinzu.

Dieses Konglomerat bildet die Mise-en-scène, die Inszenierung – aber auch die Wahrnehmung – von Kunst in ihrem Ausstellungskontext.

Herausgegeben von Angela Kaisers, Atalya Laufer, Mélanie Schneider.

Mit Texten von Michael Bahr, Hannah Gieseler, Tatiana Ilichenko, Vladimir Isailovic, Angela Kaisers, Atalya Laufer, Nora Mertes, Vincent Rebers, Francisco Rozas, Mélanie Schneider, Constanze Thielecke, Hristina Vancheva.

Kontakt.



Bobby & Christel

Bobby & Christel

The interdisciplinary mixed-media project “Bobby & Christel” investigates the connection between Robert “Bobby” Kennedy’s personal and political emancipation and their influence on the life of my fictitious alter ego Christel Rosenberg, with Christel representing the white suburban middle-class housewife of the 1960s.

Using found written and visual material as well as own text parts, single collage pages are created that cumulate in an online collage book.

Follow this link to have a look!

Christel’s interest in political and associated events per year

Christel & politics

Kunst als Kommunikator historischer Kontexte

Ich hatte Besuch bei mir Zuhause.

Zuhause, das ist mein Zimmer in einer WG.

Mein Zimmer ist auch mein Atelier.

Mein Atelier, das ist mein Archiv.

Mein Archiv für mein fortlaufendes Projekt „Christel“.

Ein Archiv von Dingen, Settings, Situationen und Empfindungen.

Dinge, werden präsentiert, werden zu Objekten.

Settings, die sich aus der Anordnung der Objekte bilden.

Durch das Eintreten von Personen in diese Settings entstehen Situationen.

Diese Situationen integrieren die Personen für den Moment in das Archiv und lassen sie zu Subjekten werden.

Die Subjekte verbinden mit den Objekten Empfindungen.

Die Subjekte verlassen das Archiv, die Empfindungen bleiben.

Christel ist die Geschichte des fiktiven Charakters Christel Rosenberg,

die Biografie, welche ich ihr recherchiert, erfunden und zugeordnet habe.

Christel“ widmet sich der Ära der 1960er Jahren in den USA.

Diese Ära ist nicht auf die Jahreszahlen 1960 – 1969 festzulegen,

sondern kann von 1956 bis 1973 gelten.

1956 schreibt Allen Ginsberg „Howl“

1973 stirbt LBJ, die letzten amerikanischen Truppen verlassen Vietnam.

Die 1960er Jahre sind geprägt von Wandel, Gewalt, Protest, Jugend, von JFK, LBJ, MLK, RFK

RFK steht hierbei im Zentrum meiner Recherche real stattgefundener Ereignisse.

Diese Ereignisse finden sich wieder in historischen Kontexten.

Historische Kontexte sind Koppelungen kultureller, politischer und sozialer Komponenten.

Komponenten, die in Dingen, Settings, Situationen und Empfindungen reflektiert werden.

Kontexte, die anhand von Kunstwerken kommuniziert werden.

Kunst als Kommunikator historischer Kontexte.

Christel.

Ein Prolog.

Mich interessieren nicht die fünfziger, nicht die siebziger – nur die sechziger. 1960 – 1969.
Warum das so ist, weiss ich nicht. Tut auch nicht wirklich was zur Sache. Fakt ist, dass es so ist. Das Ganze hat nur einen ärgerlichen Haken – mir fehlen so zwanzig Jahre. Ich bin 1980 geboren und steh nun da mit meiner Affinität den 60s gegenüber. Toll. Keine Erinnerungen. Nicht einmal vergessene Erinnerungen. Sondern einfach gar nichts. Während mir dies tagtäglich bewusst wird, und ich, egal wie sehr ich mich verrenke und im Kreise drehe, wohl niemals diese unerfreuliche Tatsache ändern kann, wird die nagende Sehnsucht nach jenem vergangenen, aber gar nicht einmal so lange vergangenen Jahrzehnt immer grösser. Und schlimmer noch – aus dem Sehnsuchtsschmerz wird ganz schnell Eifersucht. Jedes mal dann, wenn ich jemandem begegne, der vor 1970 geboren wurde. Du hast etwas, Du weisst etwas, was ich niemals, nicht heute, nicht morgen, nicht in fünfzig Jahren, haben werde, teilen kann. Und weil ich nun mal so furchtbar eifersüchtig bin auf all jene, die mir diese Erfahrung voraus haben und ich mich doch allzu sehr nach dieser einen, und wirklich nur dieser einen, Dekade sehne, will ich, muss ich etwas dagegen tun. Ich will auch fühlen, sehen, erleben, was Du einst hast.
Nur Jammern und Grübeln hilft ja alles nichts. Ich bin da auch eher pragmatisch angelegt – also gut, was macht man in so einer Situation, mit so einem Dilemma? Selbsttherapie denke ich mir. Die zündende Idee – ein Alter Ego muss her! Mit eigener Biografie und Leben und was sonst noch alles so dazugehört, um eigene, unechte Erinnerungen an dieses Jahrzehnt zu kreieren. Und so erschaffe ich mir Christel. Endlich kann auch ich mithalten. Zumindest in meiner kleinen Christel-Scheinwelt.
Und eigentlich ist Christel ja auch für alle da. Ich teil sie gerne. Für andere die keine eigenen Erinnerungen an diese Ära haben, für die, die sich nicht mehr erinnern können oder für die, die sich eigentlich gar nicht mehr erinnern wollten.
Wem das jetzt alles ein bisschen befremdlich klingen mag, den kann ich nur darauf hinweisen, dass andere Menschen sich immerhin ja auch Haustiere zulegen – und ich nun mal ein Alter Ego.
Und wie ein treuer und wohlerzogener Hund, folgt Christel dann auch all meinen Anweisungen, macht all jenes, was ich ihr befehle. Fortan hält sie nun für all das her, was ich niemals hab’ selbst erleben können. Auch für die Dinge, die ich gar nicht einmal durchlebt haben hätte wollen.
So wird sie Stenografin, Hausfrau, Bewohnerin eines Häuschens in einem beschaulichen Vorort New Yorks. Solch ein Alter Ego soll ja auch schön stereotypisch sein. Erinnerungen der breiten Masse reflektieren. Wie gesagt, sie ist für alle da.
Manchmal vermischen sich meine zwei Welten. Manchmal sind die Grenzen klar gesetzt. Zwischen Christel und Angela. Kunstwerk und Privatleben. Aber eben nur manchmal.
Ich glaube, ich habe in den letzten vier Jahren keine Briefe oder Karten von meinen Eltern bekommen, die nicht auch Grüße an Christel bestellt. Manchmal erhält auch nur sie allein Post von ihnen. Z.B. an ihrem Geburtstag. 1.9.1937. Bitte schonmal in den Kalender eintragen. Ihre Lieblingsblumen sind rosa Rosen, falls jemand einen Strauss schenken möchte.
Man kann vielleicht die besondere Affektion meiner Eltern, insbesondere die meiner Mutter, besser nachvollziehen, wenn man weiss, dass Christels rosa Outfit von meiner Mutter entworfen und von meiner Grossmutter, der Schneidermeisterin der Familie, für sie genäht wurde. Für den Tanzstundenabschlussball. 1965. Und natürlich gibt es da auch den Faktor pre-nataler Prägung. Denn einflusslos war die elterliche Informations-Verbreitung der Kultur ihrer Jugend via Mutterleib sicher nicht. Und die damit verbundene Frage der Schuldzuweisung ob meines fragwürdigen Verhaltens bleibt ungeklärt und resultiert erwartungsgemäss in elterlicher (Für-)Sorge. Vielleicht liegt es aber auch einfach nur daran, dass ich meiner Familie gar keine andere Wahl gelassen habe und sie Christel einfach akzeptieren mussten. So wie eigentlich jeder andere Mensch in meinem Umfeld auch. Christel ist da wo ich bin. Wenn ihr mich kennt, werdet ihr Christel auch kennenlernen. Kein entrinnen, kein entkommen. Sie ist meine Obsession, die ich aber nicht plane alleine auszuleben, da müsst ihr alle mit mir durch. Ob ihr wollt oder nicht, da bin ich rigoros.

Danke für Euer Verständnis.

Angela Kaisers, 2011.

BOBBY & CHRISTEL — coming soon

Bobby & Christel

Das interdisziplinäre mixed-media Projekt Bobby & Christel untersucht den Zusammenhang zwischen Robert „Bobby“ Kennedys persönlicher und politischer Emanzipation und deren Einfluss auf das Leben meines fiktiven Alter Egos Christel Rosenberg. Christel steht hierbei stellvertretend für die weisse Hausfrau der 1960er Jahre der Mittelschicht mit Zuhause in einem Vorort einer US Gross-Stadt.
Untersucht wird der Zeitraum zwischen dem 22.November 1963 – dem Tag der Ermordung Roberts Bruders, Präsident John F. Kennedy – und dem Attentat auf ihn selber und seinem Tod am 6.Juni 1968.

Die Ära 22. November 1963 – 6. Juni 1968

Wie  haben sich politische Bewegungen (spezifisch in den USA – z.B. Civil Rights Movement, Anti-Vietnam Krieg) auf das Denken und Handeln junger Hausfrauen und Mütter – und  somit letztendlich auch auf die Entwicklung ihrer Rolle als Frau in dieser Ära – ausgewirkt? Hat der Politiker – und auch der Privat-Mensch – Robert F. Kennedy bei diesen Frauen solch ein politisches und sozial-kritisches Interesse hervorgerufen, dass es ihr eigenes Leben beeinflusst hat? Bedeutete gewonnenes Interesse an politischen Figuren sowohl kritisches Hinterfragen der Gesellschaft als auch der eigenen Position und Zukunft in dieser?
Wie bereits erwähnt beziehe ich mich auf den Zeitraum zwischen den Ermordungen der beiden Kennedy Brüder John und Robert (22.11.1963 – 6.6.1968), doch darf die Zeit von Johns Wahlkampf (1960) und Präsidentschaft (1961 – 1963) sowie die Ereignisse nach Roberts Tod bis Richard Nixons Präsidentschaftsantritt (1969) nicht ausser Acht gelassen werden, um zu erfahren und zu erkennen in welcher Position, “State-of-Mind” sich die Probanden befanden. Die oben benannte Ära steht symbolisch für den empfundenen Verlust (John) und neu gefundener Hoffnung (Robert), bis letztendlich auch diese zweite Hoffnung verloren geht.
Anhand des fiktiven Charakters Christel Rosenberg und ihrem Leben in den 1960er Jahren und Robert Kennedys eigener Entwicklung in dieser Dekade gehe ich diesen Fragestellungen auf den Grund.
Christel als eine der Hauptakteure in dieser Arbeit ermöglicht mir solch ein weites und anonymes Thema zu konkretisieren und den Betrachtern – auch auf emotionaler Ebene – zugänglicher zumachen. Sie übernimmt die Rolle der Ersatz-Verwandten oder Freundin, in deren Erinnerungen der Betrachter schwelgen und sie reflektieren kann. Sie fungiert als  erzieherisches Werkzeug in der Heranführung und Auseinandersetzung meiner Thematik an das und mit dem Publikum.
Robert Kennedy übernimmt den Part des zweiten Hauptdarstellers, nicht nur, da er ein bedeutsamer und zukunftsweisender Politiker der damaligen Zeit war – und nach wie vor immer noch als solcher gilt – sondern  besonders auch, da sein persönliches Leben und die Veränderungen in diesem, der stereotypischen Rolle einer von Ehemann oder Eltern abhängigen Frau in der zu untersuchenden Ära ähnelt. Wie auch sie, muss er lernen sich von bestimmten Personen aus seinem Familienkreis abzunabeln und auf eigenen Füssen zu stehen, eine eigene Meinung zu bilden, zu erfahren und zu lernen was er vom Leben erwartet, welche Rolle er für sich definiert. Als Folge der Ermordung Johns passiert das in Kennedys Fall zum Teil auch zwangsweise und in der Öffentlichkeit.

VISUELL ERFAHRENES, SCHRIFTLICH WIEDERGEGEBEN.

ab sofort hier zum nachlesen!

Inventory List

inventory

Christel’s Inventory List is online – cataloging all items I have collected for Christel so far.

Christel’s Diary

Christel Diary

Take a look at Christel’s fictitious diary!

Read about her life and struggles as young housewife living in American suburbia in the 1960s.

As I Am… featuring Christel

as I am

As I Am by Gaël Robillard

1 jour, un autoportrait – 27.02.2010 Back to the 60’s with Christel